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    100 Jahre Kiefern-Herkunftsversuch Schwabach

    eingestellt: 14.10.2026

    Was ein Jahrhundert Waldbeobachtung für die Zukunft lehrt

    Eine Versuchsfläche, drei Kiefernherkünfte und 100 Jahre Zeit – daraus entsteht ein Datenschatz, den man heute nicht mehr neu anlegen kann. Als der Kiefernherkunftsversuch Schwabach 1927 begründet wurde, ging es darum herauszufinden, welche Herkunft unter gleichen Ausgangsbedingungen am besten wächst. Heute liefert die Fläche jedoch auch Daten für Fragestellungen, die sich erst im Laufe der letzten Jahre ergeben haben – etwa zur zunehmenden Etablierung der Mistel. Zum 100-jährigen Bestehen der Fläche machte sich der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Dr. Peter Pröbstle, persönlich ein Bild vor Ort. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Schwabach Peter Reiß mit seiner Stadtkämmerin Stefanie Rother und Stadtförster Thomas Knotz sowie Ludwig Schmidtbauer der Bereichsleiter Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg waren dabei.

    Auf der Versuchsfläche Schwabach 304 wurden die Herkünfte Bamberg, Unterfranken und Schwabach verglichen. Die Bamberger Herkunft lag in den ersten Jahrzehnten beim Wachstum noch zurück. Doch mit zunehmendem Alter änderte sich das Bild: Von 1927 bis zum Jahr 2025 erreichte diese Herkunft eine Gesamtwuchsleistung von 1.095 Vorratsfestmetern pro Hektar – 10 Prozent mehr als die Schwabacher Herkunft. Eine Herkunft, die zunächst zurückliegt, kann im Laufe der Zeit also ihre Konkurrenten noch überholen. Solche Entwicklungen lassen sich jedoch nur erkennen, wenn man über Jahrzehnte hinschaut. „Das Besondere an dieser Versuchsfläche ist, dass wir einerseits 100 Jahre in die Vergangenheit blicken können. Wir sehen, wie die Kiefern auf vergangene Umweltveränderungen reagiert haben. Andererseits können wir messen und beobachten, wie die gleichen Bäume mit den heutigen Herausforderungen umgehen. Angesichts des rasanten Klimawandels ist dies ein unschätzbares Wissen für die Zukunft.“, betont LWF-Präsident Dr. Peter Pröbstle.

    100 Jahre Forstforschung im Stadtwald Schwabach

    Für die Stadt Schwabach ist die Versuchsfläche zugleich ein Stück Forstgeschichte. „Dass auf einer Fläche in unserem Stadtwald seit 100 Jahren wissenschaftliche Beobachtungen durchgeführt werden, ist etwas ganz Besonderes. Die Erkenntnisse aus dieser Fläche helfen uns, Veränderungen besser zu verstehen und daraus Schlüsse für die Zukunft unserer Wälder zu ziehen“, so das Fazit von Herrn Oberbürgermeister Peter Reiß.

    Forschung und Beratung ziehen an einem Strang

    Die Versuchsfläche Schwabach 304 und das bayernweite Netz forstlicher Versuchsflächen werden wissenschaftlich von der LWF betreut. Die Ergebnisse fließen in Waldbauempfehlungen, in die Beratung der Waldbesitzenden sowie in die Aus- und Fortbildung des forstlichen Nachwuchses ein. „In der Beratung der privaten Waldbesitzer sind solche langen zeitlichen Beobachtungen genauso wichtig. Die Mistel ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich mit dem Klimawandel neue Fragen für unsere Wälder ergeben.“, erklärt Forstdirektor Ludwig Schmidbauer, Bereichsleiter am AELF Roth-Weißenburg.

    Die Mistel – eine neue Frage auf einer altehrwürdigen Versuchsfläche

    Inzwischen geht es längst nicht mehr nur um die Frage nach der besten Wuchsleistung. Veränderte Wuchsbedingungen und der Klimawandel werfen neue Fragen nach Anpassungsfähigkeit, Vitalität und Waldschutz auf. Ein Beispiel ist die zunehmende Ausbreitung der Kiefernmistel. Gerade in Mittelfranken hat sich die Kiefernmistel deutlich in den vergangenen Jahren ausgebreitet. Warme und trockene Jahre begünstigen ihre Entwicklung. Für die Kiefer ist das höchst relevant, weil die Mistel auch bei größter Trockenheit dem Baum Wasser entzieht und damit den Trockenstress massiv verstärkt.

    Der Kiefern-Herkunftsversuch zeigt damit: Historische Versuchsflächen sind auch für aktuelle Waldschutz- und Klimafragen höchst interessant. Was 1927 als Herkunftsvergleich begann, ist heute eine wertvolle Langzeitbeobachtung für die Wälder der Zukunft. Die langfristige Beobachtung kann helfen, Veränderungen nicht nur als Momentaufnahme zu betrachten, sondern ihre Entwicklung über Jahrzehnte einzuordnen.

    Infobox: Waldforschung braucht langen Atem: Die Versuchsfläche Schwabach 304 ist Teil des „Forstlich-Ertragskundlichen Versuchswesens in Bayern“ welches vor über 150 Jahren gegründet wurde. Heute umfasst es 157 Versuchsstandorte mit rund 1.400 Versuchsparzellen in ganz Bayern. Aufgrund der langen Messreihen können Waldforscherinnen und Waldforscher aktuelle Wachstumstrends auswerten und Prognosen zu künftigen Entwicklungen ableiten.

     

    Pressemitteilung LWF vom 13.10.2026

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